Kunst & Coaching

Ein Traum...

Als Coach und Künstler habe ich lange davon geträumt, beide Bereiche meines Schaffens miteinander in eine lebendige Verbindung zu bringen. Immer wieder tauchten innere Bilder auf: Klienten, mit denen ich in einem großen, hellen Atelier bzw. einem Coaching-Raum Zeit teile, wie wir zwischen fertigen und angefangenen Skulpturen sitzen, der Geruch von Holz und anderen Werkstoffen in der Luft liegt und meine bildhauerischen Arbeiten als Impulsgeber und stille Begleiter zur Verfügung stehen. Allerdings gab es auch Fragen bezüglich der Angemessenheit eines solch ungewöhnlichen Rahmens.


Eine bedeutsame Erfahrung

Während all dieser Betrachtungen ging ich weiter meiner Arbeit als Coach und Künstler nach und beinahe hätte ich vor lauter Träumen und Zukunftsszenarien den Moment verpasst, in dem die Verbindung beider Bereiche das erste Mal geschah, ganz leicht, mit großem Selbstverständnis und tiefem berührt sein - und auf andere Weise als gedacht.

Während einer Ausstellung umkreiste ein älteres Ehepaar mein dreiteiliges Ensemble Durch den Schmerz, näherte sich, entfernte sich, berührte das Holz und sprach leise miteinander. Schließlich erzählten beide mir von einer Krise, die sie aktuell zu bewältigen hätten. Sie bezogen sich dabei auf die unterschiedlichen Stadien des Prozesses, der durch die Skulptur verkörpert wird. Sie ordneten sich und weitere Betroffene den jeweiligen Stadien zu, fanden Ähnlichkeiten und Unterschiede, weinten für kurze Momente, hielten sich an den Händen während sie ruhiger atmeten und still wurden. Nach einer Zeit des längeren Schweigens und beieinander Stehens, verabschiedeten sie sich mit den Worten, es habe gut getan, sich und ihre Situation wie von außen zu betrachten, den gesamten Prozess zu sehen und nicht nur in einem Moment zu verharren. Es schmerze sie immer noch, aber sie hätten auch Hoffnung erfahren. Dieses Erlebnis wurde für mich zu einer zentralen Erfahrung und derartige Momente erlebe ich mittlerweile in fast jeder Ausstellung in unterschiedlicher Intensität.


Kunst & Coaching – ein fruchtbares Zusammenwirken mit Potenzial

Offenbar schafft die Begegnung mit meinen Skulpturen einen Erfahrungsraum, der ähnliche Phänomene wie in einem gelungenen Coaching-Prozess hervorbringt. Der Zugang jedoch ist ein anderer, möglicherweise ein umfassenderer:

  • Das Abbild des vollständig gelungenen Prozesses oder eines "Problems“ ist im Außen sichtbar und dient als Referenz.

  • Bei einigen meiner Arbeiten ist das Zeitkontinuum (Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft) "in den Raum geholt“ und wieder erfahrbar. Das heißt, das eingeschränkte Erleben einer zeitlichen Dimension wird geweitet.

  • "Übersehenes“ wird im Raum gegenwärtig und kann zu einer erweiterten und umfassenderen Sicht führen.

  • Die Skulpturen ermöglichen einen Moment des "Wiedererkennens“ der eigenen Situation und die Objekte im Raum werden für einen Moment zu realen Personen, denen es ähnlich ergeht, wie dem Betrachter. Das wird mitunter als tröstend und relativierend erlebt.

  • Die Skulpturen sind wie "Stellvertreter“ für das eigene Erleben und der Prozess mit seinen unterschiedlichen Stadien kann von außen betrachtet und verstanden werden.

  • Der Betrachter bestimmt den Grad der Annäherung, kann sich neben eine Skulptur stellen, sie berühren, vielschichtige Perspektiven ausprobieren, so das eigene "Themenfeld“ erforschen und zu einer umfassenden sinnlichen Erfahrung werden lassen.

Im Unterschied zu den meisten Formen des Coachings

  • wohnt dem Besuch einer Ausstellung kein explizites Veränderungsanliegen inne oder anders ausgedrückt: Kein Ziel ist im Weg;

  • habe ich als Künstler keinen Veränderungsauftrag: Kein Auftrag ist im Weg;

  • begegnen sich Betrachtender und Künstler mit ihren subjektiven Deutungen und ihrem individuellen Erleben bezogen auf eine Skulptur; im besten Falle entsteht daraus zwischen beiden ein beseelter und inspirierender Dialog, der neue Sicht- und Erlebensweisen ermöglicht und neue Erfahrungsräume öffnet;

  • werden durch die Verbindung von "Kunst“ und "Raum“ tiefere Schichten des Unbewussten angesprochen.

Der gezielte Einsatz von Kunst im Coaching

Ausgehend von meinen bisherigen Erfahrungen als Coach und Künstler stelle ich einige meiner Skulpturen gezielt im Coaching-Kontext zur Verfügung.

Die Objekte dienen dann der Erkundung eigener Themen, stehen also als Erkundungs-Helfer zur Seite. Hier geht es weniger um ein "Vom Problem zur Lösung Denken“, sondern vielmehr um Transformation, also um die sinnstiftende Wandlung von zentralen Themen wie Schmerz, Gefangen-Sein, Ohnmacht, die eigene Endlichkeit u.a.


Ich lade sie herzlich in den Erfahrungs- und Erkenntnisraum von Kunst und Coaching ein!


Ihr

Martin Hensel